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Ein Widerspruch im Personalmangel: Küchenhilfen und überzogene Anforderungen

  • Autorenbild: Markus van KochWerk
    Markus van KochWerk
  • 15. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Ein Widerspruch, der mir immer häufiger begegnet


Eine Bekannte erzählte mir kürzlich von ihren Bewerbungsversuchen als Küchenhilfe. Seit Wochen bewirbt sie sich in gastronomischen Betrieben – Stellenanzeigen gibt es viele, der Personalmangel ist bekannt und wird offen beklagt. Trotzdem erhält sie Absagen oder gar keine Rückmeldung.


Der Grund ist auffällig und gleichzeitig irritierend: Plötzlich werden abgeschlossene Berufsausbildungen, langjährige Berufserfahrung oder spezielle Vorkenntnisse erwartet – Anforderungen, die man eher an einen Facharbeiter stellt, nicht an eine Küchenhilfe.


Hier entsteht ein Widerspruch, den die Branche selbst kaum noch reflektiert.


Was eine Küchenhilfe eigentlich ist


Die Tätigkeit als Küchenhilfe war und ist traditionell ein Einstiegs‑ und Quereinsteigerjob.Sie richtet sich an Menschen,


  • die in der Gastronomie Fuß fassen möchten,

  • die keine abgeschlossene Kochausbildung haben,

  • die bereit sind, körperlich zu arbeiten,

  • die Zuverlässigkeit, Lernbereitschaft und Teamfähigkeit mitbringen.


Küchenhilfen unterstützen den Ablauf – sie ersetzen keinen Koch und sollen das auch nicht.

Wenn für diese Position plötzlich Kriterien verlangt werden, die einem Facharbeiterprofil entsprechen, wird der Beruf ad absurdum geführt.


Personalmangel – aber bitte nur perfekt


Viele Betriebe klagen zu Recht über:

  • akuten Personalmangel

  • krankheitsbedingte Ausfälle

  • Überlastung des vorhandenen Teams

Gleichzeitig scheint sich aber eine Haltung etabliert zu haben, die man so zusammenfassen könnte:

„Wir suchen zwar dringend Personal, aber bitte nur dann, wenn es sofort voll einsetzbar, perfekt ausgebildet und möglichst ohne Einarbeitung funktioniert.“

Das ist aus unternehmerischer Sicht verständlich – aber praktisch nicht realistisch.

Wer Küchenhilfen wie Fachkräfte rekrutieren möchte, reduziert den Bewerberkreis drastisch – und verschärft den Personalmangel weiter.


Die Folgen dieser Denkweise


Diese überzogenen Anforderungen führen zu mehreren Problemen:

  • motivierte Quereinsteiger ziehen sich zurück

  • Stellen bleiben unbesetzt

  • bestehende Teams werden weiter belastet

  • Küchenzeiten werden verkürzt

  • Betriebe geraten wirtschaftlich unter Druck

Am Ende entsteht genau die Situation, die eigentlich vermieden werden sollte:


Betriebsschließungen wegen Personalmangels.


Ein strukturelles Problem, kein individuelles


Es geht hier nicht um Schuldzuweisungen an einzelne Gastronomen oder Bewerber. Es geht um eine strukturelle Schieflage in der Branche:

Der Wunsch nach sofortiger Entlastung trifft auf eine Realität, in der Einarbeitung, Geduld und einfache Tätigkeiten kaum noch zugelassen werden.

Dabei war genau das früher eine Stärke der Gastronomie: Menschen mitzunehmen,

einzuarbeiten, wachsen zu lassen.


Der bittere Nachgeschmack für Bewerber


Gerade für Außenstehende und Quereinsteiger hinterlässt diese Praxis einen problematischen Eindruck. Die Gastronomie hat ohnehin mit einem schlechten Ruf durch die Medien, unzufriedenem Personal und deren Geschichten zu kämpfen – lange Arbeitszeiten, hohe Belastung und negative Erfahrungen rund um Zuverlässigkeit bei Lohnzahlungen sind vielen bekannt.


Wenn dann selbst bei Stellen als Küchenhilfe Anforderungen gestellt werden, die eher einem gelernten Koch entsprechen, entsteht bei Bewerbern schnell der Verdacht, dass qualifizierte Arbeit zu Hilfskraft‑Konditionen erwartet wird. Diese Wahrnehmung ist keineswegs selten – sie wird mir regelmäßig aus dem Bekanntenkreis, von Bewerbern und auch von befreundeten Mietköchen geschildert.


Ob diese Absicht immer zutrifft, sei dahingestellt, ich habe auch viele andere Betriebe kennengelernt, wo alles reibungslos funktioniert, gerade hier in der ländlichen Region.


Entscheidend ist jedoch der Eindruck, der entsteht: Wer einfache Tätigkeiten mit Fachkräfte‑Anforderungen verknüpft, schreckt motivierte Bewerber ab und verschärft den Personalmangel weiter, statt ihn zu lösen.


Was meiner Erfahrung nach hilft


Aus der Praxis weiß ich:

  • Küchenhilfen müssen nicht perfekt sein

  • sie müssen verlässlich sein

  • klare Aufgaben, feste Abläufe und kurze Anleitungen reichen oft aus

Betriebe, die bereit sind, Küchenhilfen wieder als das zu sehen, was sie sind – Unterstützung auf einfachem Niveau –, gewinnen häufig schneller und nachhaltiger Mitarbeiter.


Mein Fazit


Der Personalmangel in der Gastronomie ist real –aber er wird verschärft durch überzogene Erwartungen an einfache Tätigkeiten.

Wer Küchenhilfen sucht, sollte sich ehrlich fragen:

Suche ich Unterstützung – oder erwarte ich eine Fachkraft zum Hilfslohn?

Solange diese Frage nicht klar beantwortet wird, wird sich am Personalmangel wenig ändern.

 
 
 

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